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Kultur & Mentalität PDF Print E-mail
Nigeria ist eine multikulturelle Nation, in der Stammestraditionen und religiöse Bindungen wichtige Faktoren sind.

Wie überall in Afrika haben auch in Nigeria Musik und Tanz einen engen Bezug zum täglichen Leben. Die Ausdruckskraft der Musik liegt in ihrer starken Verwurzelung im dörflichen Leben, wo traditionelle Kulturformen fortbestehen. Besonders auffallend sind die Maskentänze, die bei den regelmäßig wiederkehrenden zeremoniellen Festen aufgeführt werden. Daneben hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte auch eine moderne Musik herausgebildet, die besonders durch den Afrobeat des berühmten nigerianischen Musikers Fela Kuti geprägt wurde.

Trommler eines Dorffestes   Maskenfestival in Ikogbo

Nigeria besitzt ein reiches künstlerisches Erbe, insbesondere Bronzeskulpturen der Ife und Benin-Kultur, Terrakotta der Nok-Kultur, Masken und Holzschnitzereien, traditionelle und moderne Malerei. Die wichtigsten Kunsthandwerke in Nigeria sind Färben von Stoffen, Herstellen von Lederwaren, Töpferei, Holzschnitzerei, Bronzeguss, Kalebassen-Dekoraktion, Perlenketten, Weberei.

JJ Okoja und RainerNigerianer sind Sportenthusiasten. International bekannt wurde das Land vor allem durch die Nigerianische Fußballnationalmannschaft „Super Eagels“, die zuletzt von Berti Vogts trainiert wurde.

Nigeria besitzt eine lebendige Literaturszene. Zu den bekanntesten Autoren gehören Wole Soyinka (Nobelpreis für Literatur 1986), Chinua Achebe (Friedenspreis des Dt. Buchhandels) und Ken Saro-Wiwa, der 1995 von der Militärregierung unter Sani Abacha erhängt wurde.

Nigerias Presse verfügt über etwa 100 regelmäßig erscheinende Druckerzeugnisse: Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Zeitschriften. Die meisten Tageszeitungen wie Thisday, The Guardian oder Vanguard erscheinen auf Englisch, aber es gibt auch Zeitungen in Yoruba, Hausa und Ibo. Die knapp 2 Mio. Exemplare der Tageszeitungen werden von 15% der Bevölkerung gelesen und stehen als Informationsmittel hinter Radio und Fernsehen an dritter Stelle. Aus Nollywood werden Filme und Soaps nach ganz Afrika ausgestrahlt. Einige nigerianische Drehbuchautoren konnten ihre Skripte nach Hollywood verkaufen auf Grund der hohen Dramatik in den Schriftstücken. Gemessen an der Zahl der Filme ist Nigeria die drittgrößte Filmnation.

Der 1.Oktober ist Nationalfeiertag in Nigeria (Tag der Unabhängigkeit).


Mentalität & gesellschaftliches Verhalten

Vordergründig wirken die Nigerianer im Süden selbstsüchtig, eingebildet, undiszipliniert, korruptionsanfällig, stark erregbar und lärmend – eine stark bedrückende Aufzählung von Eigenschaften, die Nigerianer selbst ihren Mitbürgern anhängen. Diesen negativen Eindruck gewinnt man insbesondere im hektischen und rücksichtslosen Lagos. Den besten Anschauungsunterricht zum undisziplinierten Verhalten bieten der Straßenverkehr und das Treiben auf den Märkten, wo das Ohr einer unbeschreiblichen Mischung von Stimmen, Lautsprechermusik und Verkehrslärm ausgesetzt ist. Selbst kritische Nigerianer sprechen von einer „Lärmkultur“.

Bejoy vom Beachland Boat ClubAndererseits können die gleichen Menschen aber humorvoll und witzig sein. Aus nichtigem Anlass kann man sie lauthals und herzlich lachen hören. Die Lebhaftigkeit ist Ausdruck eines scheinbar sorgenfreien Lebensgefühls. Und so mancher Nigerianer stellt mit seinem gepflegten Auftreten und seinem Charme viele Europäer in den Schatten.

Die sonderbaren Eigenschaften werden von vielen Nigerianern mit einem entwaffnenden „This is Nigeria“ relativiert. Dies ist Ausdruck eines Gefühls unbeschwerter Sorglosigkeit und resignierender Hinnahme des scheinbar Unveränderbaren.

Nigerianer sind sehr gesellige und lebensfrohe Menschen. Sie lieben es, laute und oftmals recht aufwendige Feste zu feiern. Für wohlhabende Nigerianer bieten sie eine willkommene Gelegenheit, mit kostbarer Kleidung und extravagantem Schmuck ihren sozialen Stellenwert zu demonstrieren.

Chiefs von Ikogbo

Die Großfamilie stellt in allen Ethnien in Nigeria die soziale Kerngruppe dar. Die Kleinfamilie im westlichen Sinne steht nirgendwo allein. In der Großfamilie findet jeder Schutz und Geborgenheit, jeder muss aber auch an den Lasten dieser Art Sozialversicherung mittragen. Die soziale Einbindung hat für den Erfolgreichen und Aufsteiger, dessen Schulbildung möglicherweise von der Familie finanziert wurde, eine fast parasitäre Ausnutzung zur Folge. Er muss seinen Wohlstand teilen, was seinen Aufstiegswillen bremsen kann, oder, wie in der Vergangenheit in Nigeria teilweise in unvorstellbarem Maße eingetreten, zur Anwendung von allerlei Unterschlagungspraktiken und der Herausbildung eines Korruptionssystems führt, das mittlerweile die ganze Gesellschaft durchdrungen hat.

Unabhängig von der traditionellen gesellschaftlichen Gliederung, ist vor allem in den südlichen Landesteilen jeder gesellschaftlich Höherrangige für den jeweils Niederrangigen ein Oga. Dieser Ausdruck stammt aus der Yoruba-Sprache und hat die Bedeutung „Hoher, Werter Herr“ oder „Boss“. Einem solchen Oga wird widerspruchlos Gehorsam entgegengebracht. Verbal äußert sich diese oft nur rein äußerliche Loyalität in einem ständigen „Yes, Sir“. Diese Oga-Mentalität und das „Yes-Sirring“ charakterisieren die sozialen Beziehungsverhältnisse auch heute noch.

In der polygamen Gesellschaft des Nordens hat die Frau einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert als in den christianisierten Regionen des Südens, wenn auch hier eine Mehrehe selbst bei Christen als traditionelles Relikt keine Seltenheit ist. Frauen entfalten über das ganze Land verteilt einen beachtlichen Unternehmungsgeist als Händlerinnen und Marktfrauen. Vielfach sind sie Ernährer der Familie. In den weltoffenen Städten Südnigerias stehen den Frauen die Wege zum wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg bis hin zu hohen Regierungsämtern, aber auch zu den begehrten Chief-Titeln offen. In den Dörfern hingegen ist die Frau bislang kaum aus ihrer traditionellen Rolle herausgewachsen.

Kinder sind immer mit dabei   Frau beim Mais ausklopfen

Neben der Kindererziehung muss sie in der Regel die mühselige Feldarbeit verrichten, weite Wege zu den Wasserstellen zurücklegen und die Feldfrüchte auf entfernte Märkte tragen. Die kleinen Kinder werden dabei stets fest in ein Tuch eingebunden auf dem Rücken getragen. In den rein muslimischen Landesteilen mit verbreiteter Polygamie müssen Frauen im gebärfähigen Alter praktisch ihr ganzes Leben innerhalb des Familiengehöfts verbringen. Sie sind nicht gewohnt, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen oder einer Beschäftigung außerhalb des Haushaltes nachzugehen. Erst nach den Wechseljahren öffnet sich die Außenwelt für sie.
 
 
April 2008 
 

 
 
 
 

 
 
 
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