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Erfahrungsberichte mit der nigeriansichen Polizei:

Böse Jungs gibt es in Lagos wahrlich genug. Einige Kollegen von der DSL haben selbst Bekanntschaft mit Überfällen, aufgebrochenen Autos und Diebstählen machen müssen. Wir selbst sind – die Eltern bzw. Schwiegereltern – an Bord kurz vor Weihnachten 2005 einem Übergriff nur knapp entgangen. In einem hier quasi typischen „go slow“ (Stau) wurden von den sogenannten Ghettoboys Fahrzeuge systematisch ausgeraubt. Dies geschah sowohl vor als auch hinter uns. Man kam sich mit seinem Döschen Pfefferspray nicht nur hilflos sondern auch lächerlich vor. Es ist wie bei Schere, Stein, Papier: afrikanische Machete schlägt EU-genormtes Pfefferspray. Dazu kommen in schöner Regelmäßigkeit Horrorstories in Form von Gerüchten der westlichen community oder aber auch durch offizielle Berichte und Warnungen der Botschaft. Mancher Tag und praktisch jede Nacht ist für Weiße nur in Selbstverantwortung als mobil zu betrachten.

Da wünscht man sich natürlich eine tatkräftige Exekutive. Problematisch scheint hierbei, dass es eine verwirrende Anzahl verschiedener Polizeitypen in Nigeria gibt. Von khakigelb bis lilablassblau strahlen die Uniformen der Offiziellen, die sich auch augenscheinlich gerne untereinander um ihre Kompetenzen rangeln. Leider steht hierbei die Durchsetzung der Gesetze nicht immer im Vordergrund. Als beispielsweise bei Chinesen hier in Lagos eingebrochen wurde und die besorgten Nachbarn die Polizei verständigten, wurden diese nur lapidar mit: „we are not in charge“ (wir sind nicht zuständig) abgewiesen. Wir selbst haben immer dann unsere Freude mit der Polizei, wenn wir in Lagos oder auf dem Land unterwegs sind. Teilweise in Sichtweite reihen sich die Polizeisperren (road blocks) aneinander. Ein Blitzer ist in Nigeria nicht zu befürchten wohl aber die Willkür der Gesetzeshüter. Die Maschen sind unterschiedlich haben aber alle die gleiche Zielsetzung. Die beige-behemdete road-safety ist augenscheinlich sehr um die Aufrechterhaltung eines westlichen Standards im Autoverkehr bemüht. So wurde unser Nissan bestimmt schon x-mal auf das Vorhandensein eines Feuerlöschers und eines Nigeria-genormten Mülleimers überprüft. Aus europäischer Sicht mag das angehen, wenn man allerdings die hiesigen Verhältnisse berücksichtigt, kann man sich ein müdes Lächeln kaum verkneifen. Gerne werden von den Jungs auch Papiere verlangt, deren Existenz schier unmöglich ist, da es sie nicht gibt. Beispielsweise auf unserer ersten Ausfahrt mit dem Nissan wurden wir recht bestimmt um die Erlaubnis für unseren Gepäckträger ersucht. Nach halbstündigem Palaver stellte sich heraus, dass es diese „permit“ (Erlaubnis) gar nicht gibt. Ähnlich erging es kürzlich Eltern eines von Rainers Schülern: sie wurden um die Erlaubnis für ihren four-wheel-drive ersucht und sogar ins Polizeipräsidium abgeschleppt. Die beliebteste Methode der Polizei um an Geld zu kommen, ist hingegen weniger finessenreich. Mehr oder weniger offensichtlich wird nämlich schlicht gebettelt. Eine Sammlung von landestypischer Folklore: Ojbo! (Weiße), Do something for me!, Where is my present?, Happy Sunday! (1-15 x wiederholt), Happy Weekend!, I pray for you!, I wanna bye pure water!, I have to feed my familiy! Dies alles hat sicherlich seine komischen und auch nachvollziehbaren Seiten. Wenn wir aber sonntags zum Strand fahren wollen, erwarten uns auf einer Strecke von 70 km 1 - 5 solcher mehr oder weniger unsinnigen Polizeikontrollen. In einem Afrika-Forum wurde auch über Nigeria diskutiert: ein Weltenbummler warnte, dass er bei seinem dreitägigen Transit durchs Land ganze 132 mal kontrolliert worden sei. Nur einmal aber sei dabei Bakschisch unabdingbar gewesen. Ab und an dürfen wir uns auch wie einem Hollywood-Film entsprungen fühlen, denn unser Fahrer vermeidet / durchbricht auch gerne mal solch eine Kontrolle. „They are all thieves“ ist Sundays einziger Kommentar. In der Tat scheint es so, dass neben der korrupten Polizei auch zahlreiche kostümierte „Beamte“ ihren gewinnträchtigen Dienst versehen.

Höhepunkt in letzter Zeit war sicherlich unser erster Tag nach den Osterferien 2006. Während Andrea auf einer Vorstandssitzung weilte, wollte Rainer Geld wechseln und einige Lebensmittel besorgen. An einer der wenigen funktionstüchtigen Ampeln wagte es Sunday bei grün-gelb (anders als in Deutschland sind dann beide Farben zu sehen) über eine Kreuzung zu fahren. Sofort war das Auto von mind. fünf mit Stöcken bewaffneten Polizisten umringt. Ruck zuck verschafften sich zwei von ihnen Zugang zum Auto und saßen auf dem Rücksitz. In der Folge fand ein etwa halbstündiges Palaver statt. Ein ohrenbetäubendes Geschrei, gespickt mit Schuldzuweisungen und Gegenbehauptungen. Der Freund und Helfer Nigerias setzte eine Strafe von 10.000 Naira (ca. 60 Euro) für das Verkehrsdelikt fest und wollte obendrein unseren Fahrer beim anwesenden Verkehrspsychologen für schlappe 15.000 Naira vorführen lassen. Von diversen Tatortabenden kennen wir das Prinzip von guter Bulle – schlechter Bulle. Scheinbar hat sich dieses Prinzip bis Westafrika rumgesprochen, jedenfalls bot einer der Polizisten Rainer an – er war bis dato außen vor – die Geschichte für 5.000 Naira aus der Welt zu schaffen. Rainer war zu diesem Zeitpunkt eigentlich alles recht. Problematisch war nur der Umstand, dass er zwar 800 Euro, aber keinen einzigen Naira dabei hatte. Die gesetzestreue Polizei hätte zwar auch mit einer Fremdwährung made in Brüssel kein Problem gehabt, aber dieser Bonus wäre des Guten vielleicht doch zu viel gewesen. Letztlich musste sich der beschuldigte Fahrer Sunday erlaubtermaßen vom Ort des Deliktes entfernen um in einer illegalen Wechselstube Euro in Landeswährung zu tauschen. Währenddessen hatte Rainer das Vergnügen, sich mit zwei uniformierten über die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bei der WM sowie die Gründe für das Ausscheiden der Super Eagles Nigerias bei der entsprechenden Qualifikation auszutauschen. Als Sunday schlussendlich mit dem Lösegeld zurückkam fühlte man sich in der Tat wie aus mehrwöchiger Geiselhaft entlassen. Hitze, Smog und Lärm tun bei solchen Begegnungen mit der Polizei natürlich ihr übriges. Und die Moral von der Geschicht: die Polizei in Nigeria ist eine solche nicht! Aber wir alle sollten uns bewusst machen wie wertvoll es ist in einem Rechtstaat zu leben. Sicherlich gibt es auch bei der deutschen Polizei das eine oder andere schwarze Schaf, übertriebene Pedanten oder einfach auch schlechte Menschen. Für die überwiegende Mehrheit gilt aber folgendes: nach einem Notruf kann man sich auf das Erscheinen der Polizei binnen Minuten verlassen, bei einem Problem (sei es ein Verkehrsunfall oder sonstiger Unbill) hat nicht derjenige Recht der mehr schmiert sondern der, der im Recht ist, schlicht: die Grünen sind ein menschlicher Gesetzeshüter – die Polizei – dein Freund und Helfer!

 

Mai 2006 

 

 
 
 
 

 
 
 
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